Wirkstoff

Borretschöl: was Studien zu Haut und Gelenken zeigen – und was nicht

Borretschöl wird aus den Samen des Borretschs gepresst und ist reich an der Omega-6-Fettsäure Gamma-Linolensäure (GLA). Eine zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Bei Neurodermitis fand ein Cochrane-Review keinen Nutzen; zu rheumatoider Arthritis gibt es Hinweise aus kleinen, älteren Studien mit sehr hohen Dosen. Ein Qualitätsthema sind Pyrrolizidinalkaloide, die die Borretschpflanze bildet.

5 Min. Lesezeit Aktualisiert 8. Okt. 2026
Evidenzgrad
Nicht bewertet
Übliche Tagesdosis
nicht etabliert
Vergleiche
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Verknüpfte Gesundheitsziele
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01 · Übersicht

Worum es geht

Borretschöl (auch Borretschsamenöl) ist das fette Öl aus den Samen des Borretschs (Borago officinalis), eines Raublattgewächses, das in der Küche als „Gurkenkraut“ bekannt ist. Das Öl ist reich an Gamma-Linolensäure (GLA), einer Omega-6-Fettsäure: In einer Studie enthielt das verwendete Borretschöl mindestens 23 Prozent GLA, Nachtkerzenöl dagegen etwa 10 Prozent (Henz et al. 1999). Der Körper bildet GLA normalerweise selbst aus Linolsäure.

Lebensmittel: Blätter, Blüten, Samen und Samenöl des Borretschs gelten in der EU nicht als neuartige Lebensmittel (EU Novel Food Catalogue). Borretschöl wird als Speiseöl und in Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Keine zugelassene Gesundheitsangabe: Die EFSA hat zahlreiche Anträge zu GLA geprüft – unter anderem zu Hautbarriere, Hautbild, Menstruationsbeschwerden, Gelenken, Cholesterin, Blutdruck und Entzündungen – und keinen der beantragten Zusammenhänge als belegt angesehen (EFSA 2011; EFSA 2010). Aussagen wie „pflegt die Haut von innen“ oder „gut für die Gelenke“ sind daher nicht zulässig.

02 · Dosierung

Wie viel, wann, womit

Keine offizielle Empfehlung: Für GLA oder Borretschöl gibt es weder einen Referenzwert noch eine gesetzliche Höchstmenge.

Im Handel: Kapseln enthalten meist 500 bis 1.000 mg Öl. Bei rund 22 Prozent GLA liefert eine 1.000-mg-Kapsel etwa 220 mg GLA. Steht der GLA-Gehalt nicht auf dem Etikett, lässt sich die Menge nicht einschätzen.

In Studien zu Neurodermitis wurden 500 mg Öl täglich über 24 Wochen (Henz et al. 1999) und bei Erwachsenen 920 mg GLA täglich über 12 Wochen eingesetzt (Takwale et al. 2003).

In Studien zu rheumatoider Arthritis waren die Mengen viel höher: 1,4 g GLA täglich aus Borretschöl (Leventhal et al. 1993) und 2,8 g GLA täglich als freie Fettsäure (Zurier et al. 1996). Bei 22 Prozent GLA entsprächen schon 1,4 g GLA gut sechs Kapseln à 1.000 mg (eigene Rechnung). Beide Autorengruppen weisen darauf hin, dass GLA üblicherweise in weit niedrigeren Dosen eingenommen wird.

03 · Formen

Die Form zählt, nicht nur die Dosis

Kapseln (meist 500 oder 1.000 mg Öl) und Flaschenöl sind die üblichen Formen. GLA steckt auch in Nachtkerzenöl und im Samenöl der Schwarzen Johannisbeere; Borretschöl enthält pro Gramm etwa doppelt so viel GLA wie Nachtkerzenöl (Henz et al. 1999). Dass eine Form oder Herkunft besser wirkt, ist nicht belegt.

Worauf achten: auf den angegebenen GLA-Gehalt pro Kapsel und – wegen möglicher Pyrrolizidinalkaloide aus der Pflanze – auf Produkte, deren Hersteller eine PA-Analyse angibt. Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren werden leicht ranzig; kühl und dunkel lagern.

04 · Evidenz

Was die Studienlage wirklich zeigt

Neurodermitis (atopisches Ekzem): Ein Cochrane-Review mit 27 Studien und 1.596 Teilnehmenden – 19 zu Nachtkerzenöl, 8 zu Borretschöl – fand keine Verbesserung der Ekzem-Symptome gegenüber Placebo. Die Autoren halten beide Öle zum Einnehmen für nicht wirksam und weitere Studien kaum für gerechtfertigt (Bamford et al. 2013). In einer Studie mit 140 auswertbaren Kindern und Erwachsenen schnitt Placebo sogar minimal besser ab (Takwale et al. 2003); auch eine Studie mit 160 Erwachsenen fand insgesamt keinen signifikanten Effekt (Henz et al. 1999).

Rheumatoide Arthritis: Ein Cochrane-Review fasste sieben Studien mit GLA aus Nachtkerzen-, Borretsch- oder Schwarzem Johannisbeersamenöl zusammen. Die Schmerzintensität sank im Mittel um rund 33 Punkte auf einer 100-Punkte-Skala stärker als unter Placebo, die Beeinträchtigung im Alltag um knapp 16 Prozent. Die Autoren sprechen von mäßiger Evidenz für einen gewissen Nutzen (Cameron et al. 2011). Die Studien sind klein und älter und nutzten Mengen, die handelsübliche Kapseln bei üblicher Einnahme nicht erreichen. Wer Rheuma hat, bespricht Nahrungsergänzungen mit der Rheumatologin oder dem Rheumatologen.

Nicht belegt sind Effekte auf Hautbild oder Hautbarriere durch Einnahme, auf Menstruationsbeschwerden, Cholesterin, Blutdruck, Gewicht und geistige Leistungsfähigkeit – die EFSA sah die beantragten Zusammenhänge für GLA nicht als belegt an (EFSA 2011).

05 · Sicherheit

Wechselwirkungen & Kontraindikationen

Pyrrolizidinalkaloide (PA): Die Borretschpflanze bildet PA. Bestimmte PA schädigen die Leber und zeigten in Langzeitstudien an Nagern ein krebserzeugendes Potenzial; eine sichere Aufnahmemenge lässt sich dafür nicht ableiten (BfR). In ölbasierten Nahrungsergänzungsmitteln hat das BfR diese PA bislang nicht nachgewiesen, und eine Analyse eines handelsüblichen Borretschsamenöls fand höchstens Spuren (Vacillotto et al. 2013). Die US-Datenbank LactMed rät, nur Produkte zu verwenden, die als PA-frei zertifiziert sind (LactMed).

Verträglichkeit: In den Studien traten leichte, vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden etwa so häufig auf wie unter Placebo; Daten zur Langzeiteinnahme fehlen (Bamford et al. 2013).

Gerinnungshemmer: Für Nachtkerzenöl, das ebenfalls GLA liefert, gibt es Hinweise auf eine verstärkte Blutungsneigung unter Warfarin (Bamford et al. 2013). Wer Gerinnungshemmer nimmt, spricht die Einnahme vorher ärztlich ab.

Krampfanfall: Ein Fallbericht beschreibt einen schweren Krampfanfall nach einer Woche Borretschöl-Einnahme (Al-Khamees et al. 2011); ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht bewiesen.

Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder: Belastbare Sicherheitsdaten fehlen; wegen der PA-Frage ist Borretschöl hier nicht zu empfehlen.

06 · Produkte vergleichen

Top-Empfehlungen für Borretschöl

Für Borretschöl liegen noch keine Vergleichsgruppen vor. Sobald genügend Produkte im Katalog sind, ergänzen wir neue Vergleichsgruppen.

Zusammenfassung

Fazit

Borretschöl ist eine konzentrierte Quelle der Omega-6-Fettsäure GLA, hat aber keine zugelassene Gesundheitsangabe. Bei Neurodermitis zeigte die beste verfügbare Auswertung keinen Nutzen. Für rheumatoide Arthritis gibt es Hinweise aus kleinen, älteren Studien mit Dosen weit über dem, was Kapseln üblicherweise liefern. Wer Borretschöl dennoch nimmt, wählt ein Produkt mit angegebenem GLA-Gehalt und PA-Analyse; in Schwangerschaft und Stillzeit ist es nicht zu empfehlen, bei Gerinnungshemmern vorher ärztlich abklären.

Fragen

Häufige Fragen

Was bringt Borretschöl bei Neurodermitis?

Nach der besten verfügbaren Auswertung nichts: Ein Cochrane-Review mit 27 Studien, davon 8 zu Borretschöl, fand keine Verbesserung der Ekzem-Symptome gegenüber Placebo (Bamford et al. 2013).

Wie viel GLA steckt in einer Kapsel Borretschöl?

Bei 1.000 mg Öl und rund 22 Prozent GLA etwa 220 mg. Der GLA-Gehalt sollte auf dem Etikett stehen; ohne Angabe lässt sich die Menge nicht einschätzen.

Ist Borretschöl wegen Pyrrolizidinalkaloiden bedenklich?

Die Pflanze bildet PA, die die Leber schädigen können. Im Öl wurden bisher höchstens Spuren gefunden (Vacillotto et al. 2013); sicherer sind Produkte mit PA-Analyse (LactMed).

Borretschöl oder Nachtkerzenöl – was ist besser?

Beide liefern GLA, Borretschöl etwa doppelt so viel pro Gramm (Henz et al. 1999). Ein gesundheitlicher Vorteil ist für keines der beiden Öle belegt.

Darf man Borretschöl in der Schwangerschaft nehmen?

Davon ist abzuraten: Belastbare Sicherheitsdaten fehlen, und die Borretschpflanze bildet Pyrrolizidinalkaloide (BfR).

Quellen

  1. Oral evening primrose oil and borage oil for eczema — Cochrane Database Syst Rev (Bamford et al.), 2013
  2. Efficacy and tolerability of borage oil in adults and children with atopic eczema: randomised, double blind, placebo controlled, parallel group trial — BMJ (Takwale et al.), 2003
  3. Double-blind, multicentre analysis of the efficacy of borage oil in patients with atopic eczema — Br J Dermatol (Henz et al.), 1999
  4. Herbal therapy for treating rheumatoid arthritis — Cochrane Database Syst Rev (Cameron et al.), 2011
  5. Treatment of rheumatoid arthritis with gammalinolenic acid — Ann Intern Med (Leventhal et al.), 1993
  6. gamma-Linolenic acid treatment of rheumatoid arthritis. A randomized, placebo-controlled trial — Arthritis Rheum (Zurier et al.), 1996
  7. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to gamma linolenic acid (GLA) and maintenance of normal blood LDL cholesterol concentrations (ID 2661, 4452, 4453) … pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006 — EFSA Journal, 2011
  8. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to gamma linolenic acid and maintenance of joints (ID 494, 637, 1774, 2098), weight maintenance following weight loss (ID 496) … pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006 — EFSA Journal, 2010
  9. Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2022
  10. A rapid and highly specific method to evaluate the presence of pyrrolizidine alkaloids in Borago officinalis seed oil — J Mass Spectrom (Vacillotto et al.), 2013
  11. Borage — Drugs and Lactation Database (LactMed), 2006
  12. Status epilepticus associated with borage oil ingestion — J Med Toxicol (Al-Khamees et al.), 2011
  13. Novel Food Catalogue: Borago officinalis L. — Europäische Kommission