Vitamin D3 (Cholecalciferol) ist eines der am intensivsten untersuchten Nahrungsergänzungsmittel überhaupt — und gleichzeitig eines der am häufigsten überinterpretierten. Die Evidenzlage spaltet sich klar in zwei Lager: Bei nachgewiesenem Mangel (Serum-25(OH)D < 25–30 nmol/L) ist die Substitution medizinisch unstrittig und verhindert Rachitis, Osteomalazie sowie sekundären Hyperparathyreoidismus. Bei bereits ausreichend versorgten Erwachsenen liefern die großen randomisierten Megatrials der letzten Jahre dagegen weitgehend Nullbefunde für die meistbeworbenen Endpunkte: Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stürze, Frakturen 47.
Der 2014 aktualisierte Cochrane-Review von Bjelakovic et al. fasst 56 RCTs mit 95 286 Teilnehmenden zusammen und fand für Vitamin D3 eine Reduktion der Gesamtmortalität um 6 % (RR 0,94; 95%-KI 0,91–0,98; NNT 150 über sieben Jahre, moderate Evidenz) sowie eine Senkung der Krebsmortalität um 12 % 1. Dieser Befund stützt sich überwiegend auf ältere Frauen und wurde von neueren Megastudien — VITAL (n = 25 871, 2 000 IE/Tag), D-Health, ViDA — nicht repliziert 47. Eine spätere systematische Übersicht (BMJ 2019, 52 RCTs, n = 75 454) bestätigte zwar die Reduktion der Krebsmortalität (RR 0,84; 0,74–0,95), aber keinen Effekt auf die Gesamtmortalität 2.
Kurz: Vitamin D3 ist kein Allheilmittel, aber auch nicht wirkungslos. Der Nutzen hängt eng vom Ausgangsstatus ab.

