Biotin (Vitamin B7, früher auch H für «Haut») ist ein wasserlösliches B-Vitamin, das als Coenzym in vier zentralen Stoffwechselwegen wirkt: Gluconeogenese, Fettsäuresynthese, Propionat-Metabolismus und dem Abbau verzweigtkettiger Aminosäuren wie Leucin. Biochemisch fungiert es als prosthetische Gruppe an vier Carboxylasen; ohne ausreichend Biotin stockt der Energiestoffwechsel auf Zellebene.
Die klassische Positionierung – «das Vitamin für Haare, Haut und Nägel» – basiert auf der Tatsache, dass Biotin die Keratin-Produktion unterstützt. Keratin ist das Strukturprotein von Haaren, Nägeln und Epidermis. Der Haken: Ein klinisch relevanter Biotinmangel ist in Industrieländern selten (Prävalenz unter 0,01 % bei gesunden Erwachsenen), und die Supplementierung bei Personen ohne nachgewiesenen Mangel zeigt in kontrollierten Studien nur schwache Effekte. Vitakruid rät explizit von isolierten Biotin-Präparaten ab und empfiehlt stattdessen Multi-Nährstoff-Formeln, da Biotin im Organismus nicht isoliert arbeitet – es interagiert mit Zink, Selen, B-Vitaminen und Aminosäuren. Wer dennoch zu Einzelpräparaten greift, tut das meist aus kosmetischer Motivation oder auf ärztlichen Rat bei bestätigtem Mangel (selten: Schwangerschaft, Epilepsie-Medikation, biotinidase-Defizienz).