5-Hydroxytryptophan (5-HTP) ist die unmittelbare Vorstufe von Serotonin in der Biosynthese aus L-Tryptophan und wird seit den 1970er-Jahren als nicht-verschreibungspflichtige Alternative zu Antidepressiva vermarktet. Die methodisch belastbarste Auswertung bleibt die Cochrane-Übersicht von Shaw, Turner und Del Mar, die 108 Studien sichtete und davon nur zwei für eine quantitative Analyse zuließ — mit insgesamt 64 Teilnehmenden 1.
Das Ergebnis dieser Cochrane-Analyse ist zweischneidig: Im gepoolten Modell waren 5-HTP und L-Tryptophan Placebo signifikant überlegen (Peto OR 4,1; 95 %-KI 1,3–13,2), doch die Autor:innen werteten die Evidenz aufgrund der Studiengröße und des hohen Publikationsbias-Risikos selbst als unzureichend, um den klinischen Einsatz zu empfehlen 12. Eine spätere Meta-Analyse in Nutrition Reviews (Javelle et al., 2020) bezog 13 Studien systematisch und 7 quantitativ ein und berichtete eine Remissionsrate von 65 % sowie einen großen Effekt im Fragebogen-Pooling (Hedges' g = 1,11), allerdings bei hoher Heterogenität (I² = 76 %) und überwiegend ohne Placebo-Arm 3.
Für den Indikationsbereich Schlaf hat sich die Datenlage erst kürzlich verbessert: Die NUS-RCT von Sutanto et al. (Clinical Nutrition 2024, 12 Wochen, einfach verblindet) zeigte bei älteren Erwachsenen verbesserte Schlaf-Subskalen — vor allem bei schlechten Schläfern — sowie eine veränderte Mikrobiota-Diversität 4. Damit existiert für 5-HTP heute mehr replizierte humane Evidenz als für viele andere Aminosäure-Supplemente, aber weniger als für etablierte SSRI oder Melatonin.