Biotin, auch als Vitamin B7 oder Vitamin H bekannt, ist ein wasserlösliches B-Vitamin, das als Cofaktor für mehrere Carboxylasen wirkt — Enzyme, die am Abbau von Fettsäuren, Aminosäuren und Glukose beteiligt sind. Der Körper benötigt Biotin außerdem für die Synthese von Keratin, einem Strukturprotein in Haaren, Haut und Nägeln. Echte Biotinmängel sind in Mitteleuropa selten, da das Vitamin in vielen Lebensmitteln vorkommt und von Darmbakterien synthetisiert wird. Dennoch greifen viele Menschen zu Biotinpräparaten — häufig motiviert durch Marketing-Versprechen rund um Haar- und Nagelgesundheit.
Die wissenschaftliche Datenlage zu Biotin bei Gesunden ist dünn. Kontrollierte Studien zeigen Effekte vor allem bei nachgewiesenem Mangel (z. B. bei genetischen Enzymdefekten, Langzeit-Antibiotikaeinnahme oder parenteraler Ernährung). Für kosmetische Effekte bei ausreichend versorgten Personen gibt es kaum robuste Evidenz. Trotzdem bleibt Biotin eines der meistverkauften Beauty-Supplements — ein Markt, der mehr von Anekdoten als von klinischen Daten getragen wird.