Vitamin B1, chemisch Thiamin, ist ein wasserlösliches Vitamin, das der Körper nicht selbst synthetisieren kann. Es fungiert als Cofaktor für mehrere Schlüsselenzyme im Energiestoffwechsel – insbesondere die Pyruvat-Dehydrogenase (Kohlenhydratverstoffwechselung zu Acetyl-CoA) und die α-Ketoglutarat-Dehydrogenase im Citratzyklus. Ohne ausreichend Thiamin stockt die ATP-Produktion auf zellulärer Ebene.
Historisch wurde Thiamin als Gegenmittel zu Beriberi identifiziert, einer Mangelerkrankung, die bei einseitiger Reisernährung auftrat. Heute kaufen vor allem Personen mit hohem Alkoholkonsum (Ethanol hemmt die Thiamin-Absorption), ältere Menschen mit reduzierter Magensäure, Schwangere und Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gezielt B1-Präparate. Der Bedarf steigt auch bei hoher körperlicher Belastung, da der Kohlenhydratstoffwechsel mehr Thiamin verbraucht.
Das Vitamin wird zwar in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Schweinefleisch und Nüssen gefunden, aber die Bioverfügbarkeit schwankt stark – Hitze und Lagerung zerstören Thiamin, anti-nutritive Faktoren in rohen Fischen und Tee können es inaktivieren. Daher greifen viele zur Supplementierung, insbesondere in Form von Multivitamin-Komplexen oder isolierten B1-Kapseln.