Vitamin B3 (Niacin) ist ein wasserlösliches B-Vitamin, das in drei pharmakologisch unterschiedlichen Formen vorkommt: Niacinamid (Nicotinamid), Nicotinsäure und neuere NAD-Vorläufer wie Nicotinamid-Ribosid (NR) und Nicotinamid-Mononukleotid (NMN). Alle drei werden intrazellulär zu NAD⁺ (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid) metabolisiert, einem Coenzym, das in über 400 enzymatischen Reaktionen involviert ist — von der Glykolyse über DNA-Reparatur bis zur Sirtuinaktivierung.
Die EFSA hat für Erwachsene eine angemessene Zufuhr (AI) von 16 mg Niacin-Äquivalenten pro Tag festgelegt; die DGE setzt den Schätzwert bei 13–17 mg NE/Tag an (je nach Geschlecht und Energieumsatz). Ein schwerer B3-Mangel führt zu Pellagra (Dermatitis, Diarrhö, Demenz), kommt in Mitteleuropa aber praktisch nicht vor. Supplementiert wird B3 heute vor allem in drei Kontexten: erstens Niacinamid für Hautgesundheit und Gelenke (off-label bei Arthrose), zweitens Nicotinsäure zur Lipidsenkung (vor allem HDL-Anhebung, historisch genutzt), drittens NAD-Vorläufer im Longevity-Bereich — wobei letzteres stark von Markthype getrieben ist und die klinische Datenlage für gesunde Menschen dünn bleibt.
Der typische Käufer ist entweder jemand, der ein Multi-B-Komplex nimmt (dort liegt B3 meist als Niacinamid vor), jemand mit Hautproblemen (Rosazea, Akne), oder — zunehmend — biohackende Mittvierziger, die NAD⁺-"Booster" gegen zelluläres Altern kaufen. Die Evidenz für die ersten beiden ist solide; für Longevity-Claims bei gesunden Menschen fehlt sie weitgehend.